Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd

Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd
St. Bonifatius - St. Alexander - Christ-König - St. Gertrudis

Keep calm and pray

„Keep calm and pray“ – Eine Kapitulation vor der eigenen Verantwortung?

Kein Stein wird auf dem anderen bleiben – der Tempel wurde niedergerissen, der Stolz Israels dem Erdboden gleich gemacht: Das bedeutete für fromme Juden damals gleichsam den Weltuntergang.
Schauen wir in unsere heutige Zeit: Kirchenaustritte, Missbrauchsskandale, Kirchenschließungen – auch in unserer „heilen katholischen Welt“ stehen längst nicht mehr alle Steine geordnet aufeinander!
Weiter heißt es: Kriege, Unruhen und Aufstände, Seuchen, Krankheiten und Tod, Verfolgung, Verrat und Gewalt. Das pure Chaos ist losgebrochen!
Das Traurige ist: Diese Ereignisse sind nicht allein biblische Fantasiegeschichten oder ferne Zukunftsszenarien, wir alle könnten diese Worte schon in den täglichen Nachrichten gehört oder gelesen haben. Krieg gibt es in der Ukraine vor unserer europäischen Haustür, kein Ende in Sicht. Die Coronapandemie hat uns noch immer im Griff und fordert täglich ihre Opfer. Hierzulande ist es Gott sei Dank noch gut bestellt um die Religionsfreiheit, aber in anderen Ländern ist es traurige Realität, wegen Glaube und Religion vor Gericht gestellt und verurteilt, ja sogar getötet zu werden.
„Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.“
Wer hat es noch nicht im Freundes- oder Bekanntenkreis gehört? „Wie, du bist noch nicht ausgetreten?“, „Da machst du noch mit?“. Auch solche Spannungen müssen wir als Christen tagtäglich aushalten.
Sie sehen, die Schilderungen des Evangeliums sind keineswegs weltfremd oder überdramatisiert, sie betreffen uns auch heute!

Wie soll man dem begegnen? Lesen wir weiter.
Ruhig bleiben, beobachten, wahrnehmen, aufmerksam sein.
Jesus lädt uns ein, standhaft zu bleiben. Nicht denen nachzulaufen, die einfache Lösungen anbieten.
Was das konkret bedeuten könnte, steht ein paar Verse später: Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt!
Vielleicht ist es eine gute Zeit um die Kraft des persönlichen Gebets neu zu entdecken und das Wort “allezeit” tatsächlich wörtlich zu nehmen. Hier gibt es wahre Schätze zu entdecken, die in der westlichen Christenheit zuletzt leider in Vergessenheit geraten sind bzw. langsam wiederentdeckt werden.

Der beliebte Spruch „Du fällst nie tiefer als in Gottes Hand“ kann auf den ersten Blick wie eine Kapitulation vor der eigenen Verantwortung erscheinen. Aber genau das ist es nicht. Es ist eine Bekräftigung des Willens zur aktiven Gestaltung des eigenen Lebens in der Gewissheit der Zusage und Geborgenheit unseres aller Vaters. Denn: Gottes Hand ist immer über uns, und nicht nur dann unter uns, wenn wir fallen!

Dominik Giesen

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Bistum Osnabrück